Kredit per Telefon

17. Juli 2008

Andere Länder, andere Sitten – was eigentlich eher in der Touristikbranche von übergeordneter Bedeutung ist, scheint sich langsam auch auf den Finanzierungssektor auszudehnen. Denn anders als in Deutschland, wo bis zur Vergabe eines Baudarlehens, Raten- oder Eilkredites durchaus mehrere Tage vergehen können, sind skandinavische Kreditgeber wesentlich schneller. Hier braucht es lediglich drei Minuten, bis der Antragsteller einen Kredit erhält. Der Clou ist der eigentliche Antrag selbst, denn dieser wird nicht in Form eines Antragsformulars auf Papier eingereicht, sondern einfach via SMS verschickt. Diese neue und technisierte Form hat natürlich auch einen Haken, und zwar einen relativ Großen.

Die Zinsen für einen solchen „Eilkredit“ belaufen sich nämlich auf mehrere hundert Prozent, da die Kosten für ein solches Darlehen pauschal erhoben werden und sich häufig auf ein Viertel der Kreditsumme belaufen. Laut offiziellen Berechnungen des finnischen Wirtschaftsministeriums ergibt sich aus diesen Eckdaten in der niedrigsten möglichen Variante ein Zinssatz von knapp 1600 Prozent. Und der Weg zu einem solchen Darlehen ist relativ einfach, da nur wenige Angaben ausreichen. Die Rückzahlung eines solchen Eilkredites scheint dagegen wesentlich schwieriger zu sein, denn viele Schuldner geraten in einen Teufelskreis, aus dem es nur selten einen Ausweg gibt.

Nicht umsonst müssen sich die finnischen Gerichte in den letzten Monaten immer häufiger mit den SMS-Krediten befassen. Inzwischen hat sogar die Regierung des skandinavischen Landes eine Arbeitsgruppe gebildet und mit der Aufgabe betraut, diese zweifelhaften Praktiken der Finanzdienstleister zu durchleuchten.

Via: Welt Online

Im Fadenkreuz der Auskunfteien

14. Mai 2008

Wer trotz einer soliden finanziellen Lage, einem eigenen Haus und keinen Schulden bei Banken keinen Kredit oder in Online-Shops nicht auf Rechnung einkaufen kann, ist sicher Opfer der modernen Kreditwürdigkeitsprüfung geworden. In diesem Scoring-Verfahren wird mathematisch ermittelt, ob der Antragsteller über eine weiße Weste verfügt und in das Kundenschema der Kreditinstitute oder Dienstleister passt. Vom Ergebnis dieses Verfahrens hängt es ab, zu welchen Konditionen Darlehen vergeben werden oder bis zu welchem Betrag der Inhaber eines Shops dem Kunden vertraut.

An dieser Stelle werden die unterschiedlichsten Parameter durch den Rechner geprüft. Um welche es sich dabei genau handelt, können aber selbst die Bankangestellten nur in den seltensten Fällen nachvollziehen. Kurzum – heutige Scoring-Verfahren neigen dazu, für den Verbraucher relativ intransparent zu sein. Faktoren, die das Ergebnis positiv oder negativ beeinflussen können, sind etwa das Einkommen oder der Familienstand. Aber auch laufende Darlehensverträge sowie die Zahl der Kreditkarten ist in den Dateien der Auskunfteien gespeichert. Sind diese Daten und deren Einfluss noch nachvollziehbar, macht die Wohngegend sicher wenig Sinn in einem Verfahren zur Prüfung der Kreditwürdigkeit - aber auch hier schlägt das Scoring-Verfahren gnadenlos zu.

Wer in der falschen Straße wohnt, kann durchaus Probleme mit dem nächsten Kredit bekommen. Aus diesem Grund hat das Innenministerium jetzt einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der dem Verbraucher mehr Rechte einräumt. Neben einer unentgeltlichen Auskunft soll auch die Möglichkeit bestehen, Informationen über einzelne Anfragen zum Score-Wert abzufragen. Ob sich damit langfristig eine Änderung durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Aber immerhin wäre mit dem Gesetzesentwurf der erste Schritt zu einem gerechten Scoring-Verfahren gemacht.

Via: Der Tagesspiegel

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